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Zwischen den Jahren

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Weihnachten kommt ja jedes Jahr sehr plötzlich. Diesen augenzwinkernden Scherz haben Sie sicher auch schon gehört.

Doch in diesem Jahr ging alles wirklich sehr schnell. Nachdem im Oktober noch Hochsommer war, hatte ich im November überhaupt keine Lust auf Weihnachten und die entsprechende Deko. Und  – zack – überraschte mich der 1. Advent, der es dieses Jahr sehr eilig hatte und gleich nach der vierten Kerze den Heiligabend im Gepäck hatte.

Trotzdem war die Adventszeit sehr entspannt. Wir hatten beschlossen, uns dieses Jahr nur eine Kleinigkeit zu schenken und auch ich war bereit, mich daran zu halten. Das Essen war gut vorbereitet, die Weihnachtspost hatte ich an einem schwungvollen und gut gelaunten Nachmittag schon anderthalb Wochen vor Heiligabend erledigt. Ja, ich wage es kaum zu sagen: Wir haben sogar dreimal in netten Cafés gesessen und gelesen. Also, alles war schön und besinnlich. Weihnachten durfte kommen…

So tiefenentspannt war es tatsächlich noch nie. Der wahre Grund dafür ist aber womöglich ein anderer. Wir haben nämlich einige unserer Vorhaben einfach in die Zeit zwischen den Jahren verschoben. Zwischen den Jahren, das ist diese Zeit ohne Datum. Selbst die Wochentage sind weitgehend außer Kraft gesetzt.

Lieblingsplatz zwischen den Jahren.

Für mich ist diese Zeit wie eine fünfte Jahreszeit. Ich habe sie schon früher, als unsere Familie noch jung war geliebt. Bis in den Nachmittag liefen die Kinder in ihren Schlafanzügen herum und spielten – endlich ungestört von verwandtschaftlichen Verpflichtungen – mit ihrem neuen Spielzeug. Das Essen bestand und besteht noch heute aus eigenwilligen Kompositionen der reichlich vorhandenen Reste von den Feiertagen. Freunde kommen spontan vorbei oder wir entschließen uns zu einem kleinen Besuch… Sofa, Decke und der neue Schmöker bleiben dafür kurz allein.

Wir werden uns zwischen den Jahren auch endlich um den neuen Hausprospekt kümmern und dabei auch gleich das Arbeitszimmer durchsortieren. Ich will nach einer neuen Vorhanglösung für unsere Suite schauen. Mein Mann hat sich das Entrümpeln der Garage vorgenommen und will einige Fahrten zum Wertstoffhof machen. So heißen die aufgeräumten Müllkippen heute.

…eine Pastete ausprobieren…

Dann werden wir noch ein paar interessante Rezepte für Silvester ausprobieren, wie z.B. eine Pastete. Sooo schwer hört sich die Anleitung gar nicht an, sie ist nur etwas zeitaufwändig. Wir wollen auch noch ins Kino, ins Thermalbad, jeden Tag einen schönen Spaziergang machen… und, ach ja, im großen grauen Schrank in unserem Wirtschaftsraum hat sich eine ganz unpassende Melange aus Vasen, Windlichtern und verschiedensten Werkzeugen meines Mannes gebildet. Das geht so nicht. Vielleicht könnte man ja in diesem Zug auch gleich der gesamten im Keller gelagerten Deko eine grundsätzlich neue Ordnung geben??

Neben den kleinen Aufräumarbeiten sind uns die ausführlichen Gespräche mit Freunden am Telefon oder bei einem Glas Wein besonders wichtig. Jetzt, wo auch die letzte Hektik des alten Jahres von uns abgefallen ist, kann man sich mal ausführlich auf den neuesten Stand bringen… Wir haben ja Zeit!! Denn die Zeit zwischen den Jahren dauert ja, Gott sei Dank, gefühlt einige Wochen.

Veröffentlicht von

Hallo ich bin Ulrike Tourneur, Geschichtenerzählerin aus dem Herzen Westfalens. Ich schreibe über das Leben, unser kleines Bed & Breakfast, interessante Menschen und Begegnungen und meine Heimat.

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