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Heute ist Gartentag…

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Als ich früh morgens noch verschlafen über die Lippewiesen blicke, weiß ich: Heute ist Gartentag!

Das säusel ich auch meinem Mann ins Ohr, der noch gar nicht richtig wach ist. Mein früher Ausbruch guter Laune lässt ihn zurück in die Kissen sinken. Er hält sich  schmerzverzerrt den Rücken und stöhnt laut auf. Der  Mann weiß, was ihn erwartet – harte körperliche Arbeit unter weiblicher Anweisung. „Ach, komm“, versuche ich ihn milde zu stimmen, „mach doch einfach ein Projekt draus!“

Nicht nur die aktuelle Heimwerkerwerbung empfiehlt Männern, sich ein Projekt zu suchen. Kürzlich saßen wir mit drei netten Ehepaaren, die als Gäste unseres B&B bei uns übernachtet hatten, nach dem Frühstück noch ein bisschen zusammen. Dabei kamen wir auf das Thema der konstruktiven Zusammenarbeit innerhalb einer Partnerschaft. Nahezu übereinstimmend gaben die Männer zu, dass sie es lieben, Projekte zu haben. Der eine plante gerade eine Außenküche für die Grillsaison, der andere berichtete mit glänzenden Augen von einer anstehenden Baumfällaktion. Nur der dritte Mann gab unumwunden zu, dass sie in ihrer Beziehung bei der praktischen Arbeit einen Rollentausch vorgenommen hätten. Er reiche das Werkzeug an, halte die Leiter, fahre die Schubkarre zum Kompost, sorge für kühle Getränke und ein gutes Abendessen, während sie sich mit der Motorsäge virtuos durchs Unterholz arbeite. Dazu habe sie sogar einen Kurs mit Zertifikat absolviert. Nach gebührender und ehrlicher Bewunderung für so einen Motorsägenführerschein, stellten wir übereinstimmend fest, wie tief befriedigend und konstruktiv doch eine interne partnerschaftliche Aufgabenteilung ist. Einer hat meist die Ideen und der andere entsprechende Talente  oder Möglichkeiten, sie umzusetzen.

Zurück zu unserem Gartentag. Nicht, dass Sie jetzt akkurate Rasenkanten und englische Staudenbeete bei uns erwarten. Der größte Teil unseres Gartens besteht aus mehr oder weniger geordnetem Wildwuchs unter alten Bäumen. Nur der Rasen ist durch drei Kreise aufgelockert, in denen Wildblumen blühen und sich die Insekten tummeln. Aber einige Wildblumen haben sich doch als echtes Unkraut entpuppt, das ich jetzt durch einige Stauden in seine Schranken weisen möchte. So sind meine Planungen.

Hier auf dem Land gibt es viele Gärtnereien. Drei davon gehören zu meinen Favoriten. Blumen Gerken in Wiggeringhausen haben einfach einen guten Geschmack und ein tolles Händchen für Gartendeko und Blumensträuße. Hier finde ich immer etwas, was mir Freude macht. Der Pflanzenhof Dellmann hat ein riesiges Angebot an Pflanzen aller Art und bringt mich immer wieder auf neue Ideen. Ein Besuch der Staudengärtnerei Stöcker ist wie ein kleiner Ausflug in englische Gärten, ein „little England“ mitten in Westfalen.

Heute geht es zu Dellmanns und wir sind nicht die einzigen, die diese Idee hatten. An diesem perfekten Samstag im Mai scheint es viele in den eigenen Garten zu ziehen. Wir treffen jede Menge Bekannte, die uns von ihren Gartenplanungen erzählen. „Was wollen wir denn nun eigentlich ganz konkret?“ fragt mein Mann. „Mal sehen,“ lautet meine Antwort, „ich lasse mich inspirieren.“

Die Vergissmeinnicht, die unter den kleinen Apfelbaum sollen, sind schnell gefunden. Doch Gartenarbeit ist ja immer auch Visionsarbeit und deshalb habe ich nicht vor, diesen Ort unbegrenzter Möglichkeiten so schnell wieder zu verlassen. Beglückt in einer Mischung aus Tiefenentspannung und Inspiration streife ich zwischen all den Pflanztischen umher.

Sollen wir versuchen aus dem kleinen Abhang, der mit Unkraut überwuchert ist, ein Lavendelfeld nach provenzalischem Vorbild zu machen? Trocken genug ist es dort. Kann ich jetzt schon eine von diesen phantastischen Hortensiensträuchern in den großen Kübel pflanzen, der auf dem Baumstumpf des gefällten Ahorns steht? Oder ist es dazu noch zu früh im Jahr? Geranien? Schöne Farben, das muss ich zugeben. Aber ich mag einfach keine Geranien, sehe sie immer gleich in monströsen Pflanzgefäßen aus Waschbeton.

Aber ein paar Frauenmantel kann ich mitnehmen. Dafür findet sich immer Platz und meine Ableger vom letzten Jahr, die ich ins Hochbeet an der Ferienwohnung gepflanzt habe, sind nicht wiedergekommen. Dazu noch etwas Salbei und wenigstens fünf Lavendel, die ich als Gruppe setzen möchte. Sie wissen schon, wegen des provenzalischen Effekts.

Dann komme ich in die Kräuter- und Gemüseecke. Im letzten Sommer sind mir nach anfänglich guten Ergebnissen alle Kräutertöpfe eingegangen. Innerhalb von ein paar Tagen sind sie einfach vertrocknet. Das war schmerzlich und ich weiß nicht, ob ich diese Erfahrung wiederholen möchte. Im Sommer haben wir nun einmal mit unserem Bed & Breakfast so viel zu tun, dass regelmäßige gärtnerische Wartungsarbeiten schnell auf der Strecke bleiben.

Andererseits funktionierte unser Hochbeet mit Pflücksalat, Spinat und Kaiserschoten ein paar Jahre einwandfrei… so denkt meine Gärtnerseele und sie könnte noch weiter mit mir durch die Gänge schlendern. Doch mein Mann mahnt zum Aufbruch.

Auf dem Weg zur Kasse kommen wir an den Regalen mit Sämereien vorbei.“Lügentüten“, nennt sie mein Mann. Er habe noch nie Pflanzen in unserem Garten gesehen, die auch nur annähernd den Bildern auf den Tüten entsprochen hätten. So lautet sein Einwand. Wenn ich an die prunkvolle blaue Kaiserwinde vom letzten Jahr denke, die es aus der Tüte nicht einmal bis zur ersten Sprosse des eigens für sie hergestellten Bambusgeflechts schaffte, muss ich ihm recht geben. Aber Kapuzinerkresse nehme ich mit, die hat es immer gut ausgehalten bei uns und Sonnenblumen und Edelwicken möchte ich auch noch einmal versuchen.

„Jetzt reicht es aber. Schließlich muss das alles auch noch in die Erde“, sagt mein Mann und ich weise ihn amüsiert auf einen Bekannten hin, der gerade mit einem Anhänger vorfährt, weil der Stauraum im Auto nicht reicht. Unsere Einkäufe passen immerhin in den Kofferraum.

Es ist später Nachmittag, als wir zufrieden unser Tagwerk betrachten. Mein Mann hat Knieschmerzen, weil er sich auf allen Vieren durch die Beete gewühlt hat. Doch dank seiner guten Kondition und eines kühlen Weizenbiers kommt es zu einer Spontanheilung.

 

Ich habe mit viel Liebe Sonnenblumen in Anzuchttöpfe gesät, eine große Schale mit Sempervivum bepflanzt, ein paar Handlangertätigkeiten ausgeführt und ja, auch das, Anweisungen gegeben, wo welche Pflanze hin soll. Es ist vielleicht nicht das Projekt, dass mein Mann sich für einen Gartentag ausgesucht hätte. Aber ich weiß, dass wir uns beide freuen werden, wenn erst alles blüht.

Geschmackvoll: Blumen Gerken, Wiggeringhausen

Riesige Auswahl: Planzenhof Delmann, Lippborg

Little England: Stauden Stöcker, Seringhausen

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Veröffentlicht von

Hallo ich bin Ulrike Tourneur, Geschichtenerzählerin aus dem Herzen Westfalens. Ich schreibe über das Leben, unser kleines Bed & Breakfast, interessante Menschen und Begegnungen und meine Heimat.

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